01.07.15

Lieder helfen in Zeiten der Depression

Johannes Eißler: "Singen hilft, manche Gottesbilder nicht"

"Lieder sind eine Kraft auch für an Depression erkrankte Menschen", sagte Pfarrer Johannes Eißler beim Gesprächabend im Rahmen des Depressionsprojekts der Kirchengemeinde. Ob als Choral, Glaubenslied oder in neuer Form. Beispielsweise dichtete der Liedermacher Albert Frey nach dem biblischen Vorbild: "Jesus, nur ein Wort aus Deinem Mund und die Heilungsströme fließen und meine Seele wird gesund." Diese Erfahrung machen noch heute Menschen, die mit der Kraft Gottes rechnen. Andererseits können Gottesbilder aus Kindheit und Jugend die Depression fördern. So könne die Vorstellung von einem strengen, strafenden Gott eine Enge in der Gottesbeziehung hervorrufen oder das Gefühl eines fernen Gottes die Kontaktaufnahme verhindern oder erschweren, so Eißler. "Wer im Alltag den Kontakt mit Gott nicht sucht, tut sich in Zeiten der Not schwer, von ihm Hilfe zu erbitten", gab Eißler zu bedenken. Er machte Mut, Glaubensformen wie Bibellese und Gebet täglich einzuüben.

Aus Reihen der Teilnehmer wurde darauf hingewiesen, dass Gott in seinem Handeln souverän ist. Der allmächtige Schöpfer lasse sich nicht nach Belieben für die eigenen Zwecke nutzen. Hilfen seien es, einen Depressiven Menschen nicht ständig nach seinem Befinden zu fragen, vielmehr etwas mit ihm zu unternehmen wie einen Spaziergang und andere Aktivitäten. So normal wie möglich Leben teilen und mutig auf ihn zugehen. Eine Hilfe in dunklen Stunden kann auch der Blick in die Psalmen sein - Beispielsweise den 23. ("Der Herr ist mein Hirte") oder Psalm 139 ("Du kennst mich durch und durch"). "Dein Schöpfer hat Dich gewollt, sieht Dich und liebt Dich so sehr, dass er seinen Sohn für Dich gegeben hat - er will eine Beziehung zu Dir", dieser Glaube sei einer der wichtigsten Hinderungsgründe, sich selbst das Leben zu nehmen. Auf dieser Basis lasse sich leben - so einer der Teilnehmer.