Der Turm und seine Glocken

Oben auf dem Glockenturm befinden sich vier Glocken.

Glockenschlag:

Jede viertel Stunde und zu jeder vollen Stunde (zwischen 6 und 22 Uhr) werden zwei verschiedene Glocken mit einem Hammer, der elektrisch angetrieben wird, geschlagen.

Glockenläuten:

Zum Gottesdienst läuten die Glocken, das heißt, der ganze Glockenkörper schwingt hin und her. Ein Klöppel schlägt gegen den Körper und erzeugt den Ton.

Die Glocken rufen früh um 6 Uhr zum Morgengebet.

Das 11-Uhr-Läuten zeigt an, dass bald Mittag ist.

Das 15-Uhr-Läuten erinnert an die Todesstunde Jesu: Wir danken dir, Herr Jesus Christ, dass du für uns gestorben bist."

Um 18:30 Uhr läuten die Glocken zum Abendgebet. In früheren Zeiten mussten die Kinder jetzt schnellstens nach Hause.

An Samstagen läuten die Glocken um 18:00 Uhr den Sonntag ein. In früheren Zeiten hat man dann aufgehört, draußen zu arbeiten.

Geschichte der Eninger Glocken

Unsere vier Glocken rufen zum Gottesdienst und alle vier Glocken können wir zu verschiedenen Zeiten auch einzeln hören. Doch nur eine dieser vier Glocken läutete auch zur Einweihung der Andreaskirche vor 75 Jahren, obwohl auch seinerzeit – und für Eningen erstmals – ein vierstimmiges Geläute erklang.

Die erste Kirchenglocke in Eningen läutete in der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg, gegossen wurde sie 1604 bei der Glockengießerei Müller in Esslingen.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gesellte sich eine zweite Glocke hinzu, gegossen 1656 bei Hörold in Stuttgart.

Eingeschmolzen im Ersten Weltkrieg

Im Jahre 1733 wurde das Geläute auf drei Glocken erweitert (gegossen bei Neubert 1733).

Doch die kleine Glocke von 1733 und die mittlere von 1604 mussten im 1. Weltkrieg abgegeben werden. Sie wurden eingeschmolzen und mussten beim Töten helfen (schon Napoleon machte dies vor; er holte einst für seine Kriege die Glocken von den Kirchen).

Im Jahre 1925 hielten dann zwei neue Glocken in Eningen Einzug als Ersatz für die im Kriege weggegebenen.

Während des Abbruchs der alten Kirche und des Neubaus in den Jahren 1929/1930 hingen zwei der Glocken im Freien an einem Glockenstuhl im Burkhardtschen Garten und riefen sonntags die Gläubigen zum Gottesdienst; die dritte Glocke wurde während der Bauzeit in einen anderen Ton umgegossen.

Sie kam 1930 zusammen mit einer neuen Glocke, die von Oberlehrer Hoeß und seiner Frau im Andenken an ihren im ersten Weltkrieg gefallenen Sohn Ernst gestiftet wurde, nach Eningen.

Die letztere war für viele alte Eninger die „Ernst-Glocke“.

Bei der Einweihung unserer Andreaskirche hatten wir also „unsere“ vier Glocken und das Eninger Geläute wurde im Evangelischen Kirchenblatt für Württemberg als „besonderer Klangkörper“ gerühmt. Dieser Klangkörper blieb uns leider nicht lange erhalten.

Stundenschlag auf der Eisenbahnschiene

Bereits 1940 wurde von Pfarrer Huppenbauer eine bis ins Einzelne gehende Bestandsaufnahme der Bronzeglocken, angeblich zur „archivarischen Erfassung“, verlangt, eine Aufforderung, der er erst nach mehreren eindringlichen Mahnungen nachkam.

Was sich damit andeutete, wurde dann in den letzten Kriegsjahren zur bitteren Wirklichkeit.

An einem kalten Wintertag mussten französische Kriegsgefangene die drei größten Glocken vom Kirchturm holen und auf bereitstehende Pferdeschlitten laden. Wieder sollten Glocken beim sinnlosen Töten mithelfen.

Nur die kleinste, die C-Glocke, blieb uns erhalten. Damit noch der Stundenschlag möglich war, wurde ihr später eine Eisenbahnschiene zugesellt, allerdings war der Schlag auf die Eisenbahnschiene nicht weit zu hören. Dieser Notbehelf blieb bis zum Jahre 1951.

Neues Geläut seit 1951

Um die Jahreswende 1949/50 regten sich die ersten Stimmen, die zur Wiederbeschaffung von Glocken aufriefen. Aber es war ein weiter Weg, auch wenn die Eninger mit einem Glockenbasar im April 1950 und einem weiteren im Dezember des gleichen Jahres eine ansehnliche Summe zusammen brachten. Überdies gingen Sammler von Haus zu Haus und auch die bürgerliche Gemeinde beschloss, mit einem großen Betrag zur Beschaffung neuer Glocken beizusteuern.

Die erste neue Glocke, unsere zweitkleinste (Ton A) konnte am 15. Dezember 1950 bei der Glockengießerei Kurz in Stuttgart gegossen werden; sie wiegt 404 Kilogramm und trägt die Umschrift „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ und eine Inschrift am unteren Glockenrand „Gedenkt der Opfer der beiden Weltkriege“.

Nach dieser „11- und 3-Uhr-Glocke“ erfolgte am 7. Februar 1951 der zweite Neuguss für Eningen, unsere zweitgrößte Glocke (603 Kg, Ton G) als Ersatz für die ehemalige „Ernst-Glocke“ und mit deren Inschrift: „O Land, Land höre des Herrn Wort“. Einige Eninger waren seinerzeit beim Glockenguss in Stuttgart dabei.

Erst im November 1951 konnte dann das volle Geläute mit vier Glocken von unserem Kirchturm erklingen.

Leihgabe vom Glockenfriedhof

Unsere größte Glocke (881 Kg) war allerdings kein Neuguss, sondern stammt als „Leihgabe“ vom Glockenfriedhof in Hamburg, wo Ende des Krieges von den über 150.000 Glocken, die abgehängt werden mussten, noch rund 14.000 Glocken lagerten und dem Schmelzofen entgingen.

In langwieriger Arbeit wurden diese erfasst und, wenn kein früherer Besitzer zu ermitteln war, den Kirchen im Bundesgebiet als „Heimatglocke der Heimatvertriebenen aus dem Osten“ angeboten.

Es war nicht einfach, die zum übrigen Geläute passende Glocke zu finden.

Wo diese große Glocke vor dem Krieg läutete, wissen wir nicht. Sie stammt aus dem Jahre 1509 und wurde 1888 von der Glockengießerei Ulrich in Apolda in Thüringen umgegossen. Die Unterlagen der Glockengießerei sind nicht mehr vorhanden.

Die Läuteordnung unserer Kirchengemeinde

Manche Gemeindebürger dürften nicht so genau wissen, warum und wozu welche der Glocken läuten, dies regelt die Läuteordnung, die von Gemeinde zu Gemeinde kleine Unterschiede aufweist.

Oftmals haben die Läuteordnungen ein „Vorwort“ und das der Kirchengemeinde Beuren gefällt mir besonders gut:

„Unsere Glocken sollen uns rufen: Zum Gottesdienst, zur Gemeinschaft und zur Fürbitte füreinander. Ihr Klang soll uns froh machen – darum sollen sie schön klingen. Ihre Stimme will uns alle zusammenschließen – darum sollen sie weit hinaustragen. Der vertraute Ton der Glocken will uns daran erinnern, dass unser Leben unter der Treue Gottes steht – darum sollen sie jeden unserer Tage begleiten, vom ersten bis zum letzten.“

Das Glockengeläute ist eine Einladung zum Gebet: Zum Beginn des Tages um 6 Uhr läutet unsere zweitgrößte Glocke, eine Gelegenheit, Gottes Segen für den Tag zu erbitten, um 11 Uhr macht die Glocke (diesmal die zweitkleinste Glocke) auf den nahenden Mittag aufmerksam; es ist ein Gebet für den Frieden in der Welt. Um 15 Uhr läutet wiederum die zweitkleinste Glocke zur Sterbestunde Jesu und erinnert uns, dass er für uns ewigen Frieden geschaffen hat. Und schließlich das Abendläuten um 18.30 Uhr: Was uns der Tag an Sorgen und Mühe beschert hat, können wir in Gottes Hand legen.

Volles Geläute erklingt als Einladung zum Gottesdienst und am Samstagabend zum Einläuten des Sonntags.

Die große Glocke allein hören wir beim Vorläuten zum Gottesdienst und während des Vater-unser-Gebets, damit die Gemeindeglieder, die nicht zum Gottesdienst kommen konnten, mit der Gottesdienstgemeinde das Gebet des Herrn mitsprechen können.

Die Taufglocke ist die kleinste Glocke, sie ruft zur Fürbitte für den Täufling und will an unsere Taufe und damit unser Christsein erinnern.

Drei Glocken läuten bei Hochzeiten und Beerdigungen und wenn man genau hinhört, erkennt man, dass bei Hochzeiten die drei kleineren Glocken jubilieren und bei Trauergottesdiensten die drei größeren Glocken zum Gedenken rufen.

Um vollständig zu sein: Zum Schülergottesdienst laden die zwei kleinen Glocken ein.

Hoffen wir, dass unser schönes Geläute uns immer erhalten bleibt und dass die Glocken nie mehr anderen Zwecken dienen müssen als zum Gebet und zum Lobe Gottes.

Harald Fügen, Kirchengemeinderatsvorsitzender bis 2013

       

Turmbesteigung

Der Turm darf nur in Begleitung eines Mitarbeiters bestiegen werden. Das Geländer entspricht nicht den gegenwärtigen Sicherheitsbestimmungen. Deshalb an der Wand gehen und äußerste Vorsicht walten lassen!