Dokument aus dem Turmhahn von 1930

Am 7. Mai 1930 wurde diese Urkunde mit Beilagen in einer Kapsel verlötet in den neuen Turmhahn eingelegt. Gefertigt wurde er, nach Plan der Bauleitung, in der Werkstatt von Flaschnermeister Hermann Braun in Reutlingen, Lindenstr. Nr. 29.

 

Eningen, wohl eine alte alamannische Siedlung, hatte vermutlich schon im 7. Jahrhundert eine Kirche aus Holz gebaut und dem Heil. Andreas geweiht.

 

Pfarrer waren seit der Reformation:

Jakob Berner 1543-76

G. Schillinger 1576

G. Schönwalter 1576 – 80

Mich. Müßlin - 89

M. Häberlin - 95

E. Herrmann – 1610

N. Glück – 28

M. Deublin – 35

Joh. Hegel – 41

Filial v. Sondelfingen – 49

J. G. Hegel – 80

J. R. Hummel – 1717

C. M. Müller – 20

P. F. Scholl – 38

J. F. Gantner – 55

F. C. Steinhofer – 59

K. P. Schiller – 75

C. L. Lauterwein – 99

G. H. Gmelin – 1824

J. B. Niethammer – 47

C. M. Eifert 49 – 81

C. A. Hoffmann – 87

C. G. F. Gussmann – 1909

G. Palm – 1925

A. Sauter 1926/27

seit Nov. 1927 W. Huppenbauer

 

Die jetzt abgebrochene Kirche wurde vermutlich im 15. Jahrhundert erstellt und 1528 (Steinzahl an der SW Ecke der alten Kirche) 1650 u. 1756 erneuert. 1926 sollte wieder erneuert werden. Die Baufälligkeit stellt sich aber als zu stark heraus. Mit Zusage weitergehender Hilfe der württeb. evang. Landeskirche wurde 1928 Neubau beschlossen (am 6. Juni). Plan und Ausführung wurde von den Architekten Rudolf Behr und Karl Ölkrug in Stuttgart übertragen. Wegen des schlechten Baugrunds (Opalinis-Tone) musste Schiff und Turm auf einen Pfahlrost gestellt werden (ca. 250 Eisenbetonstähle von 5-7 m). Von der alten Kirche wurden 4 Fenster Maßwerke übernommen (+ 2 neue). Juli 1929 wurde sie abgebrochen. Sie stand fast parallel zur (jetzt breiteren) Straße.

Kostenvoranschlag belief sich insgesamt auf über 380 000 Reichsmark. Bauführer für Rohbau war, bis Jan 1930: Ippich, jetzt Ob/Ä Baumeister in Brackenheim, seither, für Ausbau: Baum. Mühlberger. Hauptunternehmer für Rohbau: Alber – Calw (dessen Bauführer: „Polier“ Maier).

Mitglieder des Kirchengemeinderats sind zur Zeit:

 

Gustav Rall, Kirchenpfleger,

Math. Bardtenschlager Bäcker,

Johannes Sautter, Bauer,

Ernst Wälde??, Baumwart,

Math. Hagmaier, Ob. Postsekretär,

Jakob Maier, Kaufmann,

Adelbert Jäger, Fuhr.Arb.,

Viktor Merz, Betr.Arb, Meister,

Karl Dingler, Fuhr.Arb. u. Gem.Rat,

Theophil Schau Drela?, Steseis ? u. Gem.Rat,

hinzu der Pfarrer (Vikar: Herh. Brauning).

 

Die bürg. Gemeinde hat 10 000 RM zum Turm beizutragen beschlossen. (Schulth. Amtsverw. Hans Maier, Gem.pfleger Schlegel). Mesner ist der 72jährige Kuhn (u.s. Schwester „Päule“). Organist: Oberlehrer Krumm, Kirchenchorleiter: Oberl. Bardtenschlager [Volksschulrektor Dr. Stockinger]. Dekan vom Kirchenbez. Reutlingen: J. Friz. Prälat D. J. Schöll ist Gen.Sup. des Sprengels Reutlingen. Kirchenpräsident: D. Th. Wurm (bis 1927 Dekan v. Reutlingen).

Staatspräsident v. Württemberg: Bolz., deutscher Reichspräsident: Paul v.  … Hindenburg (unter dessen Oberbefehl ich, Pfarrer, 1914 Soldat auf russischem Boden verwundet wurde) 1914-18 im Weltkrieg sind von hier 150 gefallen 10 vermisst.

 

Im Knauf unter dem alten Turmhahn fand sich beim Abbruach August 1929 eine Schrift von Pfarrer Eifert vom Oktober 1850: damals hatte Eningen 4777 Einwohner, heute bzw. 1925: 4351 (worunter 130 Katholiken, 90 Glieder von Sondergemeinschaften u. „Freidenker“). Haupterwerb der Einwohner ist Fabrikarbeit, keine „Händler“ mehr, wie früher durch Jahrhunderte die Mehrzahl waren. Politisch und wirtschaftlich sieht es in Ort, Land und Reich zur Zeit sehr trüb aus. „Aber das Wort Gottes ist nicht gebunden.“ „Dein Wort“ ist unseres Herzens Trutz und deiner Kirche fester Schutz. Dabei erhalt uns, lieber Herr, dass meins nichts besserer Suchen mehr“ ??

 

Eningen u. Achalm, 6. Mai 1930 W. Huppenbauer