Was bleibt, wenn einer geht?

Girrbach selbst betonte, wichtiger als ein Pfarrer sei für eine Gemeinde, dass sie den Heiligen Geist als Tröster, Ermahner und Führer habe. Das sei das Geheimnis lebendigen Glaubens. Das sei auch das Geheimnis von Pfingsten, als Jesus Christus den Heiligen Geist sandte, damit alle Menschen ihn erhalten könnten. Für ihn sei es nun ein "Zurück" in die Hauptarbeit in Reutlingens Kreuzkirchengemeinde und noch kein endgültiger Abschied.

 

Girrbach streifte in seiner Abschiedsrede ("Wenn ich an Eningen denke“) beim Ständerling im Andreasgemeindehaus Ereignisse aus den drei Jahren, die ihm in Erinnerung blieben. Besonders in der Pfarrer armen Zeit habe er vieles lernen können, so Girrbach. Wie sehr die ehrenamtlichen Kräfte die Gemeindearbeit am Laufen hielten, Kollegen ohne Murren einsprangen. So erlebte er die Verabschiedung der Pfarrerkollegen Glase und Tuffentsammer, Vikarin Peterson und vom zwischenzeitlichen Geschäftsführemden Pfarrer Keller aus Honau und den Wechsel in der Kirchenpflege.

 

Dank und Abschiedsreden

 

Für die örtliche Gemeinde bedankte sich Annegret Romer bei dem scheidenden Seelsorger. Den habe sie als offen, herzlich, hilfsbereit erlebt und die Konfirmanden hätten ihn "als cool" erlebt. Sein Engagement für den religiösen Unterricht in den Kindergärten, das sich in einem deutlichen Brief äußerte, werde nachhallen. So nehme man die Kritik ernst und schon an Erntedank wird der Bruckbergkindergarten am Gottesdienst teilnehmen.

 

Für die Konfirmandeneltern betonte Ingrid Droxler, dass "alle fast immer gerne in den Unterricht gegangen seien". Das wolle etwas heißen in heutiger Zeit. Girrbach habe es meisterhaft verstanden, die Herzen der Jugendlichen zu gewinnen, mit ihnen auf Augenhöhe zu sein und habe sich ganz für sie und ihre Belange eingesetzt. Mit einem T-Shirt samt Gruppenfoto bedankten sich einige der Konfirmierten bei ihrem Seelsorger.

Der geschäftsführende Pfarrerkollege Johannes Eißler erinnerte an die gemeinsamen Wurzeln im Albrecht Bengel Haus in Tübingen. Gabi Rall freute sich im Namen des Posaunenchors über das Interesse und Engagement des Paars an der Arbeit der Bläser. Regina Jantz dankte Girrbach für dessen aufmerksame und stets behutsame Art des Umgangs und alle Unterstützung. Margarete Müller hatte sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Die Mitarbeiterin im Gemeindebriefteam und der offene Kirche überreichte Girrbach einen Rucksack, Taschentücher, ein gehäkeltes Bild und ein Buch mit Sprüchen und guten Gedanken, die ihm Trost und Hilfe auf seinem weiteren Lebensweg sein sollen.

Marcus Girrbach bleibt bis September mit einem Dreiviertelsdeputat  als Pfarrer in der Kreuzkirche und versieht im Bezirk Vertretungsdienste. Darüber hinaus bleibt sein Verbleiben offen.

 

Die Rede im Original

 

Wenn ich an Eningen denke...

... dann denke ich vor allem an die pfarrerarme Zeit von August 2012 bis Mai 2013. Ich sehe dann vor allem eine Kirchengemeinde vor mir, die zwar über manche Entscheidungen des OKR gefrustet war, die aber so viel Energie und Zeit investierte, damit das Leben in der Kirchengemeinde weitergehen kann. Dann staune ich über tolle Ehrenamtliche, die vieles selbstverständlich übernommen haben, über Kollegen, die ohne großes Murren Vertretungen gemacht haben, und über die Gemeindeglieder, die trotz allem treu geblieben sind.

... dann denke, was ich alles dadurch gelernt habe und wie ich dadurch in meiner Aufgabe als Pfarrer wachsen konnte.

... dann denke ich an Frau Jantz, die mit ganz viel Herzblut ihre Arbeit macht und es immer sehr gut mit mir und meiner Frau gemeint hat. Und an Frau Frey, die über alles Bescheid weiß und mit der man so herzhaft lachen kann. Und an Frau Geiger, die alles möglich macht. An Frau Reymann und Frau Lossau, die unglaublich kompetent ihre Aufgaben erledigten.

... natürlich denke ich auch an meine Kollegen Glaser, Tuffentsammer, Eißler und die Kolleginnen Peterson und Lück hier, mit denen ich gerne zusammengearbeitet habe.

... ich denke an ein Kirchengemeinderatswochenende, auf dem ich die Kirchengemeinderätinnen und –räte ganz persönlich erlebt und ins Herz geschlossen habe.

... ich denke natürlich an meine Konfis, die mir das Leben nicht immer leicht gemacht haben. Und doch hatte ich bei meinen vier Konfirmationen immer Tränen in den Augen, als ich mich dann bei ihnen verabschiedet hatte.

... ich denke an meine Konfibegleiterinnen und die Backgruppe, bei der ich mich hiermit entschuldigen möchte, dass ich sie dann im Winter so kommentarlos hängen haben lassen.

... ich denke an ein Konfi-Camp, bei dem uns ein Unwetter heimgesucht hat und wir evakuiert werden mussten.

... ich denke an den Posaunenchor, in dem sich meine Frau bei den wöchentlichen Proben, Auftritten, v.a. auch bei Ausflügen und gemeinsamen Wochenenden sehr wohl gefühlt hat und hoffentlich auch weiterhin wohl fühlen wird.

... ich denke an Gottesdienste, die ich hier in der Andreaskirche im Kreis der Apostel leiten konnte, die im Bogen des Altarraums abgebildet sind. Und an die im familiären Rahmen des Johanneshaus, besonders auch die Mittendrin-Gottesdienste. Aber auch die Gottesdienste in den beiden Altersheimen.

... ich denke an Menschen, die mit mir auf der kurzen Eninger Wegstrecke gegangen sind, mit denen ich lachen konnte, mit denen ich ihre Trauer teilen konnte, die mir ehrlich und offen begegnet sind, die mir Tipps auf meinen Weg mitgegeben haben und an die, die für die Kirchengemeinde und mich beten.

... und an viele und vieles andere Schöne.

... ich denke aber auch an Ärgerliches: z.B. dass meine Frau und ich nach einem Jahr schon wieder aus der Schwanenstraße ausziehen mussten; oder auch an den Ärger, den ein von mir verfasster Brief hervorgerufen hat. Für diesen Ärger bitte ich nochmals um Entschuldigung und hoffe trotzdem, dass er zu neuer konstruktiver Zusammenarbeit geführt hat. Und ich verhehle es auch nicht: Auch der plötzliche und gleichzeitige Weggang zweier Kollegen hat mich verärgert.

Mal sehen, was an Erinnerungen bleiben wird. Jetzt zu diesem Zeitpunkt danke ich auf jeden Fall euch, liebe Eninger, für die Zeit hier. Im Gemeindebrief habe ich es geschrieben: Ich hätte es nicht gedacht, dass ich als Viertelespfarrer überhaupt eine Chance hätte, richtig anzukommen in der Gemeinde. Und jetzt stelle ich fest: Für die Eninger ist auch ein 25% Pfarrer 100% wichtig. Vielen Dank dafür! Heute danke  ich ganz besonders auch allen, die da waren und die im Gottesdienst und beim Stehempfang vorbereitet und mitgewirkt haben, und jetzt auch wieder aufräumen werden, sowie für alle lieben Worte und Geschenke. Ich wünsche der Kirchengemeinde Eningen, dass in ihr immer der richtige Geist herrscht und sie unter Gottes Segen segensreiche Arbeit unter den Eningern Bewohnern tun kann.